Miguel Ibarrola López: Der nächste Deoleo CEO ist bereits wieder weg



Weitere Schwierigkeiten für den spanischen Olivenölabfüller Deoleo. Nach nur einem Monat im Amt tritt Miguel Ibarrola Lópezals CEO und Präsident der Gesellschaft aus gesundheitlichen Gründen zurück. Der Vizepräsident des Verwaltungsrats, Manuel Atencia Robledo, übernimmt interimistisch.

Der Konzern, der die bekannten Olivenölmarken Bertolli, Carapelli, Carbonell, Hojiblanca und Sasso hält, kommt nicht zur Ruhe. Nur einen Monat nachdem der Reformer Pierluigi Tosato als Präsident des Verwaltungsrates und als CEO der Gesellschaft abgesetzt wurde, wirft auch sein Nachfolger bereits das Handtuch. Aus gesundheitlichen Gründen, wie Deoleo der spanischen Börsenregulierungsbehörde mitteilte.

Ibarrola López galt als Wunschkandidat CVC Capitals, der Investmentgesellschaft, welche zurzeit die Mehrheit am (noch) grössten Olivenölabfüller der Welt hält und diesen in jüngster Vergangenheit abermals mit Kapitalerhöhungen vor dem Aus rettete. Deoleo befindet sich in einer tiefen Geschäftskrise, der tiefsten seit seiner Entstehung. Im Jahr 2018 verzeichnete das Unternehmen einen Rekordverlust von 291 Millionen Euro, nachdem ein Asset-Impairment-Test durchgeführt wurde, der das Ergebnis mit 200 Millionen negativ beeinflusst hatte, was hauptsächlich auf das USA-Geschäft zurückzuführen war. Der Abfüller der Marken Bertolli, Carapelli, Carbonell, Hojiblanca und Sasso schloss das letzte Jahr mit einem Eigenmittelbestand von lediglich 35 Millionen Euro ab, was einem Minus von 88 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. In der Folge gab das Unternehmen Deoleo bekannt, dass es die notwendigen Massnahmen zur Neuausrichtung seiner durch das Capital Companies Act festgelegten Eigenkapitalposition ergreifen wird. Bis zum Jahr 2022 und bis die Verschuldungsquote (EBIT / EBITDA) unter das 5.25-fache fällt, was kurzfristig nicht zu erwarten ist, darf das Unternehmen zudem keine Dividenden ausschütten.

Trübe Aussichten und zwei Fragen

Der Fall Deoleo zeigt eines: Die Reformierung von einem zweifelhaften zu einem ehrlichen Olivenölunternehmen verbrennt kurz- bis mittelfristig eine Menge Geld. Umgekehrt gilt, dass man im Geschäft mit minderwertigen Ölen heute kaum noch Geld verdienen kann, was hauptsächlich auf das aggressive Agieren der Lebensmitteleinzelhändler zurückzuführen ist, welche sich unter Eigenmarken das billige Öl unter den Nagel reissen und so die Daseinsberechtigung von Markenabfüllern in Frage stellen. CVC Capital sitzt fest - gefangen zwischen zwei Szenarien, von denen keines Aussicht auf Erfolg zu versprechen scheint. Und trotzdem: Für CVC Capital dürfte die teure Investition in die Reformierung Deoleos die einzige Möglichkeit sein, das Asset nicht komplett zu verlieren, was zweifelsohne dann der Fall wäre, wenn Deoleo von seiner jüngst definierten Strategie abkehren würde. Die noch verbliebenen guten Leute, die Deoleo im Rahmen des Reformprozesses beschäftigt, dürften das Unternehmen spätestens dann verlassen. Übrig bliebe ein seelenloser Körper, der von den spanischen Rivalen um DCOOP regelrecht zerfleischt würde. Es wäre dies das Ende Deoleos. Die Frage bleibt, wie entscheidet sich CVC?

Kaum einer hätte je gedacht, mich das mal sagen zu hören: Deoleo ist zur letzten Bastillon des Qualitätsolivenöls geworden. Nicht etwa, weil das Unternehmen gute Olivenöle abfüllt, wie es vorgibt, es zu tun, sondern vielmehr weil Deoleo mit der von Pierluigi Tosato initiierten Strategie zur qualitativen Verbesserung die letzte Schotte ist, die eine komplette Flutung des Marktes mit abermals billigerem Öl verhindert. Wie lange hält Deoleo diesem massiven Druck stand? 

Für Sie als Konsument bleibt zu hoffen, dass CVC Capital nicht versagt, die Anleger weiterhin Geld in die Sache Deoleo stecken und Deoleo am Markt schlussendlich ertragreiche Erfolge erzielen kann. Das klingt eigentlich völlig absurd. Ja, es ist absurd. Wenn wir nicht beginnen, nachhaltig zu denken und zu handeln, werden uns die begangenen Dummheiten eines Tages einholen.